Rezension

[Rezension] Blake Crouch: Dark Matter

Ein spannender Sci-Fi Thriller über die Entscheidungen, die wir in unserem Leben getroffen haben — und ihre Auswirkungen.

Blake Crouch, Dark Matter

„Bist du glücklich?“ Das sind die letzten Worte, die Jason Dessen hört, bevor ihn ein maskierter Mann niederschlägt. Als er wieder zu sich kommt, begrüßt ihn ein Fremder mit den Worten: „Willkommen zurück, alter Freund.“ Denn Jason ist in der Tat zurückgekehrt – doch nicht in sein eigenes Leben, sondern in eines, das es hätte sein können. Doch ist diese Welt real? Wer ist sein geheimnisvoller Entführer? Auf der Suche nach einer Antwort begibt Jason sich auf eine ebenso gefährliche wie atemberaubende Reise durch Zeit und Raum. Eine Reise, die ihn am Ende auch mit den dunklen Abgründen seiner eigenen Seele konfrontieren wird … (zur Verlagsseite)

Dark Matter Der Zeitenläufer, Blake Crouch Cover

Endlich mal wieder Sci-Fi! … So oder so ähnlich war meine Reaktion, als ich Blake Crouchs Werk „Dark Matter“ in den Händen hielt. Dieses Buch wurde ja auf Instagram und Goodreads sehr gehyped, weshalb ich ja erst mal vorsichtig war, aber schlussendlich ist es dann doch hier eingezogen. Und ich muss sagen: Ich verstehe den Hype, aber fand das Buch im Endeffekt doch nicht so gut wie erwartet.

Zum Inhalt: Jason ist ein normaler Kerl und lebt ein normales Leben mit seiner Frau Daniela und ihrem Sohn Charlie. Früher, bevor Charlie geboren war, hätten beide ein anderes Leben haben können: Jason stand kurz vor seinem Durchbruch im Bereich der Quantenmechanik und hätte bestimmt bald den Pavia-Preis gewonnen und Daniela wäre ein Star am Kunsthimmel geworden. Doch leider (leider?) kam den beiden das Leben dazwischen. Eines Abends, nachdem Jason von einem Treffen mit einem alten Studienfreund zurück nach Hause gehen möchte, wird er von einem maskierten Mann überfallen. Dieser verschleppt ihn zu einem alten Lagerhaus, wechselt dort seine Kleidung und spritzt ihm und sich selbst etwas. Immer wieder spricht er davon, dass er dies nicht tun möchte, es aber tun muss. Jason wacht auf, aber er befindet sich nicht mehr im Lagerhaus, sondern in einer Art Labor, wo jeder ihn zu kennen scheint und seine Arbeit bewundern. Außerdem werden alle nicht müde zu betonen, dass er der Einzige sei, der jemals zurück gekehrt ist. Jason versteht von alledem nichts und ergreift die Flucht. Zu Hause angekommen, realisiert er, dass er nicht mehr „zu Hause“ ist, sondern dass es beinahe so ist, als wären Daniela und Charlie hier nicht an seiner Seite… Was ist hier los? Wo sind Daniela und Charlie? Wieso sieht sein Haus so anders aus? Und was soll er für eine Arbeit geleistet haben? Bis er realisiert, was geschehen ist, laufen einige Dinge schief und schon bald findet er sich in einem schier endlos erscheinenden Tunnel voller Türen wieder und muss sich für die richtige entscheiden…

Wir leben tagaus, tagein ohne jedes Bewusstsein für die Tatsache, dass wir Teil einer unendlich großen und merkwürdigen Realität sind. Viel größer und merkwürdiger, als wir uns je vorstellen können.

Blake Crouch erzählt hier spannungsgeladen und mit einer solchen Wucht die Geschichte von Jason und den Entscheidungen, die sein Leben ausmachen, dass man einfach nicht mehr aufhören kann zu lesen. Die starke Erzählsprache und die Handlung, in der einfach immer etwas passiert – es gibt keine Ruhepausen – machen das Buch zu einem echten Page-Turner. Aber bei den Details geht es dann mit den Minuspunkten los: Crouch schafft es nicht, die Wissenschaft so zu beschreiben, dass man sie auch wirklich versteht. Ich hatte das Glück, mich schon seit ein paar Jahren immer mal wieder mit den Themen Parallelwelten, Wellenfunktion etc. auseinanderzusetzen (natürlich nur oberflächlich), aber trotzdem hat es nicht „klick“ gemacht. Teilweise versteht Jason selbst nicht einmal, wie es funktioniert, und die Antwort auf seine Frage, wie denn sowas möglich sei, ist „Keine Ahnung, wie du das gemacht hast, aber du hast es geschafft!“ – das ist für den Leser einfach nur unbefriedigend. Natürlich habe ich jetzt keine wissenschaftliche Dissertation erwartet, aber sowas ist einfach nur eine lahme Ausrede, etwas nicht durchdenken zu müssen.

Ich werde den Gedanken nicht los, dass wir mehr sind als nur die Summe unserer Entscheidungen, dass gerade all die Wege, die wir hätten einschlagen können, ein Teil unserer Identität sind.

Spoiler-Zone! (Wenn ihr das Buch noch nicht gelesen habt, springt doch einfach bis zum nächsten Absatz. Hier möchte ich etwas detaillierter auf Handlungsverlauf und Dinge eingehen, die mich gestört haben oder die ich gelungen fand.) Die Handlung war bis zu dem Punkt, als Jason zusammen mit Amanda in den Würfel steigt, leider relativ vorhersehbar. Gefühlte 100 Seiten, bevor der Protagonist es weiß, weiß man als Leser schon, wie der Hase läuft. Es war abzusehen, dass Jason2 sich einfach Jasons Leben schnappen wollte und ihn dann einfach in seiner verkorksten Welt abgeladen hat. Was ich verwirrend fand, war dieser ominöse Chatroom. Wieso sollten sich alle Jasons online versammeln? Der Sinn erschließt sich mir nicht ganz. Dafür fand ich es toll, dass Amanda und Jason sich durch die diversen Parallelwelten kämpfen mussten, wenn mich hier auch wieder verwirrt hat, wieso ein wissenschaftliches Prinzip sich nach den Gefühlen und Gedanken einer Person steuern lassen soll. Ein richtig gelungener Aspekt war jedoch das Auftauchen der vielen Jasons. Es macht ja auch Sinn: Jedes Mal, wenn etwas auf der Reise in Jasons richtige Welt anders war als bei „seiner“ Reise, entsteht dadurch natürlich ein weiterer, „echter“ Jason, der sich an Punkt xy während der Reise anders entschieden hat als er. Und diese Jasons wollen natürlich auch zurück zu Daniela und Charlie. Das habe ich nicht kommen sehen (vermutlich, weil ich mich über die Vorhersehbarkeit der ersten Hälfte aufgeregt habe 😀 )! Das Ende ist auch so ein Ding. Es war für mich nicht glaubhaft, dass sowohl Daniela als auch Charlie sich so leicht davon überzeugen lassen, mit Jason zu flüchten – und das bis in eine Parallelwelt hinein. Davon, dass das eine authentische Reaktion ist, hat mich Blake Crouch leider nicht überzeugen können. Zudem hat mich an der wahnsinnig edlen Aufmachung des Buches doch ein wenig der Untertitel gestört… „Der Zeitenläufer“? Jason reist durch parallele Welten, nicht durch die Zeit!

Es ist beängstigend, wenn man sich überlegt, dass jeder Gedanke, den wir haben, jede Entscheidung, die wir treffen, eine neue Welt erschafft.

Fazit: „Dark Matter“ gehört zu den Science-Fiction Büchern, die ich zwar verschlungen habe, die mich aber letzten Endes doch nicht 100%ig überzeugen konnten. Wer aber nach einem spannenden, hochmodernen Sci-Fi Thriller sucht, der mit einer guten Idee und einem sympathischen Protagonisten aufwartet, wird mit diesem Buch vermutlich gut bedient sein. Jedoch waren die wissenschaftlichen Elemente teilweise nicht überzeugend und auch unverständlich erklärt, was das Lesevergnügen doch etwas getrübt hat. „Dark Matter“ regt auch nach der Lektüre noch zum Grübeln an, über Entscheidungen, die wir getroffen haben oder auch nicht und wie sie uns zu dem gemacht haben, der wir heute sind.

 

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Titel: Dark Matter. Der Zeitenläufer
Autor: Blake Crouch
Goldmann Verlag bei Random House
Paperback, Klappenbroschur
ISBN: 9783442205127
Erschienen: 27.03.2017

Dieses Rezensionsexemplar wurde mir freundlicherweise vom Goldmann Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Weitere Rezensionen findet ihr bei:

Die Buchbloggerin

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