Rezension

[Rezension] Takis Würger: Der Club

Eine grandiose Mischung aus Krimi, Sportnovelle, Liebesgeschichte und Coming-of-Age-Story machen „Der Club“ zu einem tollen Erlebnis.

Takis Würger, Der Club

Hans Stichler stammt aus einfachen Verhältnissen. Als ihm seine Tante nach dem Tod seiner Eltern ein Stipendium für die Universität in Cambridge vermittelt und er als Gegenleistung dort ein Verbrechen aufklären soll, weiß er noch nicht, worauf er sich einlässt. Er soll Mitglied im elitären Pitt Club zu werden. Bald darauf verliebt er sich in die geheimnisvolle Charlotte. Nur wenig später muss er feststellen: In Cambridge ereignen sich Dinge, über die keiner spricht. Und auch Charlotte scheint etwas zu verbergen. Hinter den schweren Türen des legendären Pitt Clubs wird Hans vor die Wahl gestellt, ob er das Falsche tun soll, um das Richtige zu erreichen. (zur Verlagsseite)

Takis Würger, Der Club Cover

Schon ein wenig zu spät, aber besser spät als nie, komme ich nun auch im „Club“ an. Ich gestehe, ich habe mich ein wenig geziert, „schon wieder“ ein gehyptes Buch zu lesen, da ich schon des Öfteren enttäuscht wurde. Aber nicht hier und nicht von Takis Würger! „Der Club“ hat mich bereits von der ersten Seite an fesseln können und danach auch nicht mehr losgelassen. Ohne viel über die Story gelesen zu haben, bin ich in Hans‘ Geschichte hineingestolpert, so konnte ich wenigstens frei von Erwartungen lesen. So viel wusste ich: Es geht ums Boxen. Da ich jetzt aber kein Sportfan bin, habe ich den Empfehlungen vertraut und mich einfach blind ins Abenteuer gestürzt. Nun ein paar Worte zum Inhalt:

Hans ist noch jung, als er seine Eltern verliert. Da seine Tante Alex in England ihn nicht aufnimmt, fristet er seine Jahre bis zum Abitur in einem Internat.  Das Boxen, mit dem er schon früh begonnen hat, hilft ihm durch die Trauer und mit seiner Einsamkeit fertig zu werden, denn Freunde hat er keine. Kurz bevor Hans sein Abitur macht, bekommt er einen Brief von seiner Tante: Er soll ihr bei einer wichtigen Ermittlung helfen. In Cambridge angekommen, erwarten Hans jedoch keine genaueren Details, sondern die Frage seiner Tante: „Du boxt doch noch, oder?“ Alex hat die junge Charlotte dazu auserkoren, Hans behilflich zu sein, Mitglied im Pitt Club zu werden, der elitäre Boxclub von Cambridge. Doch Hans kommt aus bescheidenen Verhältnissen und bringt zudem nicht den versnobbten Charakter mit, den die Mitglieder alle inne zu haben scheinen. Doch im Pitt Club scheint nicht alles mit rechten zuzugehen und es scheint, als würde Charlotte ihm auch einiges verheimlichen. Hans gelangt nicht nur in den Pitt Club und gewinnt einen Einblick in die Welt der elitären Boxer, sondern auch in die der „Schmetterlinge“ und ihren fragwürdigen Riten…

In Cambridge habe ich gelernt, wie viel Großes der Mensch leisten kann: Er kann die Grundlagen der formalen Logik errechnen und ein Medikament gegen Malaria finden. Aber in Cambridge habe ich auch gelernt, was der Mensch in seinem Kern ist: ein Raubtier.

„Der Club“ ist kein 08/15 Roman. Er ist auch nicht das, was in dem Klappentext steht. Er ist viel mehr: Die Geschichte wird von der Erzählung aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt, sei es nun die Feministin Alex, die mit gewissen psychischen Problemen zu kämpfen hat; Josh, der versnobbte Boxer aus dem Pitt Club, der sich mit Hans anfreundet; oder aber der ehrgeizige Chinese Peter, der unbedingt in den Pitt Club aufgenommen werden will. Takis Würger spielt mit der Perspektive, bringt dem Leser Erleuchtung, wo diese nicht durch den natürlichen Erzählstrang aus Hans‘ Perspektive zu erreichen gewesen wäre, und nach und nach fügen sich alle Puzzleteilchen geschmeidig zusammen. Würger erzählt dabei mit so einer wunderbaren Sprache, die kurzweilig ist, aber trotzdem so gehaltvoll, dass man nahezu jeden Satz unterstreichen möchte. Die Handlung ist auch ganz wunderbar. Hans macht im Buch eine solche Wandlung mit, dass die Bezeichnung „Coming-of-age“ vielleicht ganz gut passen würde. Aber auch die Nebencharaktere sind allesamt gelungen, vom vergleichsweise ärmlichen Billy bis hin zum Boxtrainer, der diesen unter seine Fittiche nimmt. Es gibt keine wirklich ruhige Minute im „Club“, vielleicht auch weil Würger den Plot energisch voran treibt und dieses Buch so zu einem kurzweiligen Erlebnis wird.

„Hast du mal von der Chaostheorie gehört? […] Es geht um die Frage, ob der Flügelschlaf eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen kann. Ich bin dieser Schmetterling.“

Fazit: Der Hype ist absolut berechtigt! Nicht ohne Grund ist „Der Club“ weit oben in den Bestsellerlisten vertreten. Mit einer wahnsinnig sympathischen und flotten Schreibe erzählt Takis Würger Hans‘ Geschichte um die Ermittlung im Fall „Pitt Club“ aus verschiedenen Perspektiven, die alle ihren Teil zur Handlung beitragen und diesen Roman abrunden. Vom Protagonist bis zum Nebencharakter sind alle Personen liebevoll ausgearbeitet und nicht selten wird der Leser überrascht, beispielsweise wenn Snob-Boxer Josh sein Dinner bei exakt 58° aus dem Ofen holt und sich daran ergötzt: „Wie geil ist bitte Butter?“ Ich kann dieses Buch jedem wärmstens ans Herz legen. Ab und zu kann man wohl doch noch dem Hype vertrauen! 🙂

 

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Titel: Der Club
Autor: Takis Würger
Kein & Aber Verlag
Gebundene Ausgabe, 240 Seiten
ISBN: 9783036957531

Dieses Rezensionsexemplar wurde mir freundlicherweise vom Kein & Aber Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Weitere Rezensionen findet ihr bei:

Schon halb elf | Book Broker | Die Buchbloggerin

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2 Kommentare zu „[Rezension] Takis Würger: Der Club

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